Handel und Wandel in der Ottostadt

Stadtteilmarkt Reform Man sieht Obst und Gemüse in leuchtenden Farben, riecht das Aroma lokaler Spezialitäten. Geht man über einen Wochenmarkt, so wird das Wort Wirtschaft ganz konkret. Hier sieht man eine große Produktvielfalt, hier trifft Angebot auf Nachfrage, hier erlebt man, wie Angebote lautstark angepriesen werden oder wie gegen Ende eines Markttages sich manchmal Preise verändern.

Auf dem Wochenmarkt herrscht Handel und Wandel zwischen Stadt und Land – er basiert früher wie heute auf Produkten, die in der Magdeburger Börde, einer ackergeprägten offenen Kulturlandschaft, entstehen. 1934 erhielt der Boden in der damaligen Gemeinde Eickendorf die Bodenwertzahl 100 als fruchtbarster Boden Deutschlands.

Der Einkauf auf dem Wochenmarkt funktioniert nicht per Mausklick – quasi indirekt. Denn der Wochenmarkt ist ein Ort direkter Begegnung und Kommunikation. Wenn man will und sich die Zeit nimmt ist der Wochenmarkt Begegnung mit Menschen und Erlebnis für die Sinne. Sehen, Riechen, Hören und Fühlen; manchmal Probieren und immer Auswählen. So etwas geht nicht im Sekundentakt. Das Einkaufen wird zum Erlebnis, wenn man sich auf die Produkte einlässt und am Verkaufsstand auch einmal die Geschichte hinter dem Produkt befragt. Hier stehen Händler/innen mit ihrem guten Namen für ihr Produkt, für Frische und Auswahl. Fragt man Besucher, so hört man oft: „Wir  lieben es, unsere Lieblingssorte knackfrischer Äpfel direkt beim Erzeuger zu kaufen. Und der hat auch immer ein freundliches Wort für mich.“

Nachdem Kaiser Otto I. Magdeburg 965 das Marktrecht verliehen hatte, entwickelte sich die Stadt zu einem Anziehungspunkt für die umliegenden Regionen. Mit dem Stadtrechtsprivileg von 1188 wurde diese Entwicklung weiterbefördert: Waren konnten nicht einfach an Magdeburg vorbei gehandelt, sondern mussten zunächst in der Stadt angeboten werden.

altermarkt2Magdeburg wurde im Mittelalter ein bedeutender Handelsort, profitierte dabei von seiner exzellenten Lage als Knotenpunkt wichtiger Fernverbindungen (Heerstraße Magdeburg-Brandenburg oder Lüneburger Heerstraße). Heute ist die Stadt ein „trimodaler Knotenpunkt im Herzen Europas“, liegt für den Güterfernverkehr per Binnenschiff, per LKW und per Bahn ideal im Schnittpunkt der Nord-Süd- und der Ost-West-Achse.

Neben Marktrecht und Stadtprivileg wurden im Mittelalter zunächst die Ausbreitung des Magdeburger Rechts in Osteuropa und dann die Mitgliedschaft in der Hanse zu einer Grundlage für Handel und Wandel und für wirtschaftlichen Wohlstand. Magdeburg wurde einer der Vororte des Sächsischen Städtebundes. Mittels des Magdeburger Stapelrechts konzentrierte sich der Getreidehandel an der mittleren Elbe, Magdeburg avancierte zum „Brothaus der Hanse“ und zu einer Stadt des Bieres (um das Jahr 1500 zählte man ca. 500 Brauereien) – die Wirtschaftsbeziehungen reichten bis nach England, Frankreich, Belgien, Polen, Russland und Skandinavien. An der Magdeburger Börse, zeitweise eine der Leitbörsen der Zeit, wurden im 19. Jahrhundert Zucker, Getreide, Kartoffeln, Öl, Spiritus und Unternehmenspapiere gehandelt.

Heute ist die Ottostadt Magdeburg ein attraktiver Wohnstandort, der weiter an Beliebtheit gewinnt. Der Wirtschaftsraum Magdeburg ist ein exzellenter Investitionsstandort für nationale und internationale Unternehmen, bietet viele interessante Arbeitsplätze und damit Perspektiven für die Menschen vor Ort. Als Landeshauptstadt ist Magdeburg das Zentrum Sachsen-Anhalts. Die Menschen leben gerne hier. Das Marktgeschehen ist auch ein Abbild der guten Lebensqualität in der Region.